Die Nachricht schlug am Donnerstagmittag ein wie eine Bombe: Neymar Jr., der designierte Superstar der brasilianischen Nationalmannschaft für die FIFA WM 2026, hat sich im Training eine Wadenverletzung zugezogen. Der Vorfall ereignete sich während einer Übungseinheit mit seinem Club FC Santos, kurz bevor er sich zur Nationalmannschaft begeben sollte. Zwar betonen die Ärzte, dass der Rückschlag nicht schwerwiegend sei – die WM-Teilnahme sei nicht unmittelbar gefährdet –, doch die öffentliche Diskussion um seine Nominierung gewinnt damit neue Schärfe.
Neymars Leidensweg: Immer wieder Verletzungen
Die Verletzungsgeschichte des 34-jährigen Stürmers liest sich wie ein medizinisches Fachbuch. Seit seinem Wechsel von Paris Saint-Germain zurück zu seinem Jugendclub Santos im Jahr 2024 kämpfte Neymar immer wieder mit muskulären Problemen, Kniebeschwerden und Knöchelverletzungen. Allein in den letzten 18 Monaten verpasste er 23 Pflichtspiele für Santos und vier Länderspiele. Diese Ausfälle haben nicht nur seine eigene Karriere beeinträchtigt, sondern auch die Planungen der brasilianischen Nationalmannschaft erschwert. Trainer Carlo Ancelotti, der seit 2024 die Seleção trainiert, hatte Neymar trotz der Kritik stets das Vertrauen ausgesprochen. „Neymar ist ein außergewöhnlicher Spieler. Er hat eine Klasse, die man nicht einfach ersetzen kann. Ich bin überzeugt, dass er zur WM rechtzeitig fit wird“, erklärte Ancelotti vor wenigen Tagen. Doch die neue Verletzung nährt die Skepsis: Ist es klug, einen Spieler in den Kader zu berufen, der dauerhaft mit körperlichen Problemen zu kämpfen hat?
Die WM-Nominierung: Ein politisches oder sportliches Signal?
Neymars Aufnahme in den endgültigen 23-Mann-Kader für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko war nicht unumstritten. Viele brasilianische Fans und Experten hatten gefordert, auf den alternden Star zu verzichten und stattdessen jüngere Spieler wie Vinícius Júnior, Rodrygo oder Endrick zu fördern. Doch Ancelotti hielt an Neymar fest – auch mit Blick auf die Erfahrung des Spielers aus fünf Weltmeisterschaften. Brasilien hat seit 2002 keinen WM-Titel mehr gewonnen, und die Hoffnung ruht auf einer Mischung aus Routiniers und Talenten. Neymar, der in 128 Länderspielen 79 Tore erzielte, ist der unangefochtene Star des Teams. Seine Kreativität, Dribbelstärke und sein Torinstinkt sind unbestritten – wenn er gesund ist. Genau das ist jedoch die entscheidende Frage.
Das Training am Montagmorgen verlief zunächst normal. Neymar absolvierte die Aufwärmübungen und erste Sprintläufe. Doch dann, bei einer plötzlichen Richtungsänderung, verzog er das Gesicht, griff zur Wade und humpelte vom Platz. Die medizinische Abteilung von Santos untersuchte ihn sofort. Ein MRT ergab eine leichte Zerrung der Wadenmuskulatur, aber keinen Riss. Die Reha wird voraussichtlich 10 bis 14 Tage dauern. Das ist knapp, aber machbar: Die WM beginnt am 14. Juni 2026 mit dem Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Italien. Brasilien trifft in der Gruppe F auf Japan, Senegal und Kroatien. Das erste Spiel der Seleção ist am 16. Juni gegen Senegal. Neymar könnte also rechtzeitig bereit sein. Allerdings ist unklar, ob er dann wirklich voll belastbar ist oder ob die Verletzung nachhaltige Auswirkungen hat.
Kritik von allen Seiten: Ist Neymar noch WM-tauglich?
Die brasilianische Sportpresse reagierte prompt. „Neymar: Die Verletzung, die alle kommen sahen“, titelte die Zeitung „O Globo“. Kommentatoren weisen darauf hin, dass der Spieler in den vergangenen zwei Jahren nur 54 % der möglichen Einsatzminuten für Santos absolvierte. Lediglich in der Saison 2025, als er nach einer langen Reha im Januar zurückkehrte, zeigte er über drei Monate hinweg beeindruckende Form – mit 12 Toren und 8 Vorlagen in 21 Spielen. Doch dann folgte im April eine erneute Oberschenkelverletzung. Nun also die Wade. Der ehemalige Nationalspieler und heutige TV-Experte Ronaldo (der Phänomen) äußerte sich skeptisch: „Neymar ist ein Genie, aber der Körper stellt sich manchmal quer. Ich hoffe, dass er es schafft, denn Brasilien braucht ihn – aber nur einen gesunden Neymar. Ein angeschlagener Neymar nützt niemandem.“
Die Fans sind gespalten. In den sozialen Medien tobt eine Debatte: Einige nennen die Nominierung einen „Fehler aus Sentimentalität“, andere verteidigen Neymar als „unverzichtbar für den Titel“. Ein Twitter-User schrieb: „Wir haben Spieler wie Vinícius, die in absoluter Topform sind. Warum setzen wir auf einen verletzungsanfälligen 34-Jährigen? Ancelotti riskiert die ganze WM!“ Ein anderer entgegnete: „Neymar ist der beste brasilianische Spieler seit Pelé, er kann jederzeit ein Spiel entscheiden. Ohne ihn sind wir nicht komplett.“
Der Druck auf Ancelotti wächst
Carlo Ancelotti, der nach seinem Erfolg mit Real Madrid die brasilianische Nationalmannschaft übernahm, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss nicht nur das Team aufstellen, sondern auch die öffentliche Stimmung managen. Mit Neymar hat er einen Star, der kommerziell und emotional enorm wichtig ist, aber auch ein Risiko darstellt. Ancelotti hat bisher keine Anstalten gemacht, von seiner Entscheidung abzurücken. Am Mittwoch, vor Bekanntwerden der Verletzung, sagte er auf einer Pressekonferenz: „Neymar trainiert gut, er ist motiviert. Ich bin zuversichtlich, dass er seine beste Form erreichen wird.“ Doch diese Worte könnten sich nun als verfrüht erweisen.
Die nächsten Tage werden zeigen, wie ernst die Verletzung wirklich ist. Santos hat angekündigt, Neymar in den kommenden Tagen nicht spielen zu lassen – auch nicht im entscheidenden Spiel um die Tabellenspitze der brasilianischen Meisterschaft gegen Flamengo. Stattdessen absolviert er individuelle Reha-Übungen. Ein offizielles Statement des brasilianischen Verbandes (CBF) steht noch aus. Man darf gespannt sein, ob Neymar rechtzeitig für das erste Freundschaftsspiel gegen Argentinien am 5. Juni bereit sein wird. Dieses Testspiel gilt als wichtige Standortbestimmung.
Für Neymar selbst ist es eine mentale Herausforderung. Der Spieler, der oft mit den Erwartungen und dem Druck zu kämpfen hat, muss nun zum x-ten Mal einen Rückschlag verkraften. Er teilte auf Instagram ein Foto aus dem Krankenhaus mit dem Kommentar: „Aufstehen, weitermachen – für Brasilien.“ Die Fans reagierten mit einer Mischung aus Unterstützung und Zweifel. Kann Neymar wirklich noch einmal aufstehen? Die WM 2026 wäre seine letzte große Bühne. Danach wird er 34 Jahre alt sein und möglicherweise seine Karriere ausklingen lassen. Ein Titel mit der Seleção wäre die Krönung. Die Frage ist nur: Ist sein Körper noch bereit für diesen letzten großen Kampf?
Währenddessen bereitet sich der Rest des brasilianischen Kaders ohne ihren Kapitän vor. Torhüter Alisson, Abwehrchef Marquinhos und Mittelfeldregisseur Bruno Guimarães führen das Team an. Die Taktik von Ancelotti sieht vor, auf eine flexible 4-3-3-Formation zu setzen, bei der Neymar als hängende Spitze agieren kann. Sollte er ausfallen, stünden Optionen wie Richarlison oder Gabriel Martinelli bereit. Doch keiner von ihnen hat die Ausstrahlung und den spielerischen Genius Neymars. Das Team als Ganzes ist stark – aber fehlt der Funke, den nur ein Neymar entzünden kann?
Die Diskussion um die Nominierung wird mit jedem Tag lauter. Selbst innerhalb des Verbandes gibt es Stimmen, die eine Überraschung nicht ausschließen. Ein Funktionär, der anonym bleiben möchte, sagte: „Wir vertrauen dem Trainer. Aber die medizinischen Abteilungen müssen jetzt genau arbeiten. Wenn Neymar nicht zu 100 % fit ist, wäre es unverantwortlich, ihn aufzustellen – sowohl für ihn als auch für die Mannschaft.“
Am 1. Juni muss der endgültige Kader bei der FIFA eingereicht werden. Verletzungen können dann nur noch in begründeten Ausnahmefällen nachgemeldet werden. Sollte Neymar weiterhin Probleme haben, könnte Ancelotti nachnominieren. Ein Name, der immer wieder fällt, ist der von Stürmer João Pedro von Brighton. Der 24-Jährige hat eine starke Saison in der Premier League gespielt und steht bereits als Reservespieler auf der Liste. Doch ein Wechsel auf den letzten Drücker wäre ein herber Rückschlag für die gesamte Planung.
Brasilien geht als einer der Topfavoriten ins Turnier, nachdem in der Qualifikation überzeugende Leistungen gezeigt wurden. Die Seleção gewann neun der zehn Spiele und stellte die beste Offensive der Südamerika-Gruppe. Das Team ist jung, dynamisch und talentiert. Die Frage ist, ob die Erfahrung von Neymar noch notwendig ist oder ob das Team auch ohne ihn funktioniert. Die Fußballgeschichte lehrt, dass Titel meist von Mannschaften gewonnen werden, die als Kollektiv auftreten. Brasilien 2002 hatte mit Rivaldo, Ronaldinho und Ronaldo drei Individualisten, aber auch eine starke Defensive. Heute ist die Situation ähnlich: Vinícius, Rodrygo und eventuell Neymar – dahinter ein solides Gerüst.
Bis zur WM sind es noch 24 Tage. Neymar hat Zeit – aber nicht mehr viel. Jeder Tag ohne volles Training ist ein verlorener Tag für die Abstimmung mit den Mitspielern. Die brasilianische Nation hält den Atem an. Ob die Nominierung von Neymar klug war oder nicht, wird sich erst auf dem Platz zeigen – sofern er denn aufläuft. Eines ist sicher: Die WM 2026 wird für Brasilien ohne einen gesunden Neymar eine ganz andere Herausforderung sein. Und für den Spieler selbst steht die Chance, endlich den letzten fehlenden Titel zu gewinnen. Die Geschichte seiner Karriere ist geprägt von Genie und Schmerz. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das Kapitel ein würdiges Ende findet oder ob die Wade ihn um seinen letzten großen Traum bringt.
Source: Laola1 News