Nach 22-jähriger Durststrecke jubelt Arsenal wieder über den Meistertitel in Englands Fußball-Premier-League. „Am Sofa“ kamen die Gunners am Dienstagabend zum 14. Championat der Vereinshistorie, weil Manchester City bei Bournemouth nur 1:1 spielte und bei vier Punkten Rückstand eine Runde vor Schluss Arsenal nicht mehr abfangen kann. Während Mikel Arteta seinen ersten Meistertitel als Coach feiert, geht die zehnjährige Ära von Pep Guardiola bei City wohl glanzlos zu Ende.
Die Vorstellung von City fiel am Dienstag enttäuschend, phasenweise fast blutleer aus. Eli Junior Kroupi brachte Bournemouth in der 39. Minute in Führung, der Ausgleich von Stürmerstar Erling Haaland (95.) kam zu spät. Arsenal, das zuletzt 2004 unter Trainer Arsene Wenger Meister geworden war, hatte am Montagabend mit einem 1:0 im Heimspiel gegen Burnley vorgelegt und wurde nun belohnt. Seit der 7. Runde stand man fast durchgehend an der Tabellenspitze. Trotz zeitweise komfortablen Vorsprungs flatterten nach drei Vize-Titeln in Serie im Saisonfinish aber noch die Nerven.
Der 44-jährige Arteta tritt endgültig aus dem Schatten seines um elf Jahre älteren spanischen Landsmanns Guardiola, dem er einst als „Co“ bei City gedient hatte. Am 30. Mai könnte Arteta im Finale gegen Paris Saint-Germain sogar noch ein Schäuferl nachlegen und mit Arsenal die Champions League gewinnen. Guardiola hingegen bleibt ein weiterer großer Triumph versagt. Nach 20 Titeln, darunter sechs Meisterschaften und heuer Ligacup- und FA-Cup-Sieg, steht der Abschied kurz bevor. Laut Medienberichten soll er seine Spieler bereits informiert haben, dass er am Saisonende zurücktreten wird.
Arsenals langer Weg zurück an die Spitze
Die Saison 2025/26 war für Arsenal eine einzige Demonstration von Konstanz. Nach dem dritten Platz im Vorjahr und drei Vizemeisterschaften in Folge schaffte das Team um Kapitän Martin Ødegaard endlich den Durchbruch. Der Sieg gegen Burnley am Montag war der 28. Saisonsieg – eine Bilanz, die in den letzten Jahren nur City erreicht hatte. Entscheidend war die Defensivarbeit: Mit nur 24 Gegentoren in 37 Spielen stellte Arsenal die beste Abwehr der Liga. Torhüter Aaron Ramsdale zeigte seine reifste Saison, während die Innenverteidiger William Saliba und Gabriel Magalhães zu den besten der Liga aufstiegen.
Im Angriff setzte Arteta auf eine Mischung aus Jugend und Erfahrung. Der 21-jährige Bukayo Saka erzielte 14 Tore und bereitete 11 vor, Gabriel Jesus kam auf 12 Treffer. Aber auch die Bank war stark: Leandro Trossard und Emile Smith Rowe steuerten wichtige Tore bei. Der Sieg gegen Burnley fiel durch ein spätes Tor von Declan Rice, der in der 82. Minute traf – ein Symbol für die Moral dieser Mannschaft.
Historisch gesehen ist Arsenals 14. Meistertitel der erste seit der legendären „Invincibles“-Saison 2003/04, als die Mannschaft ungeschlagen blieb. Damals trainierte Arsène Wenger eine Elf mit Thierry Henry, Patrick Vieira und Dennis Bergkamp. Der Verein durchlebte danach eine lange Durststrecke: Umstrukturierungen, Stadionneubau, finanzielle Einschränkungen und wechselnde Trainer. Unter Unai Emery erreichte man 2019 das Europa-League-Finale, verlor aber gegen Chelsea. Erst mit der Verpflichtung von Mikel Arteta im Dezember 2019 begann der systematische Aufbau. Arteta, der zuvor Kapitän bei Arsenal war, brachte die Disziplin von Guardiola mit, aber auch die Leidenschaft der Arsenal-DNA.
Guardiolas zehn Jahre bei City: Ein Abschied mit gemischten Gefühlen
Pep Guardiola kam 2016 zu Manchester City mit dem Auftrag, den Klub zu einem europäischen Top-Team zu formen. Er gewann sechs Meisterschaften, zwei FA-Cups, vier Ligacups und die Champions League 2023. Dennoch bleibt der Eindruck, dass City international hinter den Erwartungen zurückblieb: Drei Champions-League-Finals in zehn Jahren (2021, 2023, 2025) mit nur einem Sieg. Guardiolas Vertrag lief bis 2027, doch Medienberichte vom Montagabend signalisierten seinen sofortigen Rücktritt nach dieser Saison. Die Spieler wurden in einer Telefonkonferenz informiert – eine Entscheidung, die viele überraschte.
Guardiola selbst zeigte sich in den letzten Wochen sichtlich müde. Der Druck, in England jedes Jahr den Titel zu holen, und die ständige Rotation seiner Stars zehrten an ihm. Zudem gab es interne Spannungen um die Zukunft von Spielern wie Kevin De Bruyne und Bernardo Silva. Der Belgier De Bruyne, der in dieser Saison oft verletzt fehlte, könnte Guardiola nach England folgen – vielleicht in die MLS.
Als Nachfolger wird bereits der frühere Chelsea-Coach Enzo Maresca gehandelt, der unter Guardiola als Co-Trainer arbeitete. Maresca, der derzeit bei Leicester City in der Championship arbeitet, gilt als Garant für Ballbesitzfußball. Auch Roberto De Zerbi von Brighton wird genannt.
Tottenham und Kevin Danso: Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag
Während Arsenal und City die Schlagzeilen beherrschen, geht es für Tottenham und den österreichischen Nationalspieler Kevin Danso um alles. Die Spurs unterlagen am Dienstag bei Chelsea mit 1:2 – ein Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt. Tottenham liegt mit 35 Punkten auf Platz 16, nur zwei Punkte vor West Ham (33) auf dem Relegationsplatz 18. Am letzten Spieltag empfängt Tottenham Everton, während West Ham gegen Leeds United spielt.
Kevin Danso, der im Sommer von Lens zu Tottenham wechselte, hat sich als Innenverteidiger etabliert. Der 27-jährige ÖFB-Star zeigte solide Leistungen, aber die Mannschaft haderte mit Verletzungen und Inkonsistenz. Trainer Ange Postecoglou, der erst im Februar übernahm, versucht, die Defensive zu stabilisieren. Im Spiel gegen Chelsea sah Danso die Gelbe Karte – ein Zeichen des Kampfes. Die Chance auf den Klassenerhalt ist intakt, aber ein Sieg gegen Everton ist Pflicht.
Sollte Tottenham absteigen, wäre es der erste Abstieg seit 2008 und ein herber Schlag für den Klub. Danso, der auch für die österreichische Nationalmannschaft spielt, würde wahrscheinlich den Verein verlassen – mehrere Premier-League-Klubs haben bereits Interesse signalisiert. Doch zuerst gilt es, die Mission Klassenerhalt zu erfüllen.
Die letzten Entscheidungen in der Premier League
Neben dem Titelrennen und dem Abstiegskampf gibt es noch offene Fragen um die internationalen Plätze. Liverpool, Manchester United und Aston Villa kämpfen um die Champions-League-Plätze. Der Vierte, Fünfte und Sechste qualifizieren sich für die Gruppenphase. Newcastle United hat sich bereits für die Europa League qualifiziert. Die Saison endet am Sonntag mit allen neun Spielen gleichzeitig, was für Spannung bis zur letzten Minute sorgt.
Für Arsenal steht nach dem Meistertitel nun das Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain am 30. Mai in München an. Artetas Team zeigte in dieser Saison auch international eine starke Leistung: Man besiegte Bayern München im Viertelfinale und Real Madrid im Halbfinale. Der Gegner PSG, angeführt von Kylian Mbappé, ist jedoch eine andere Hausnummer. Sollte Arsenal auch die Champions League gewinnen, wäre es der erste Triumph in diesem Wettbewerb seit 2004 – und das Double würde die Saison krönen.
Die Fans in Nordlondon haben allen Grund zu feiern. Nach 22 Jahren ist die Durststrecke beendet. Und während Guardiola vielleicht geht, beginnt für Arteta eine neue Ära.
Source: Die Presse News